DIE FREIHEITSHALLE: NUR EIN SYMPTOM

DIE FREIHEITSHALLE: NUR EIN SYMPTOM

(von Michael Böhm)

Natürlich sind alle entsetzt: die vor acht Jahren sanierte Freiheitshalle hat Bauschäden im großen Ausmaß. Man spricht von einem Skandal.

Und ein Skandal könnte es tatsächlich noch werden, wenn man das Dilemma etwas tiefer analysiert. Beginnen wir bei der etwas befremdlichen Tatsache, dass bereits 2012 – im Jahr der Neueröffnung – Schäden an der Fassade diagnostiziert wurden, aber erst jetzt in 2020 eine Standfestigkeitsprüfung, übrigens „turnusgemäß“ auf Empfehlung des Bundesinnenministeriums, durchgeführt wurde zeigt, dass scheinbar kein allzu großes Interesse vorlag, diesen Fall aufzuklären und das Ergebnis der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Der Unternehmensbereich 5, also umgangssprachlich das Hofer Bauamt, macht in meiner Wahrnehmung aktuell einen sehr transparenten, gut strukturierten und kompetenten Eindruck. Leider ist aber genau dieser Fachbereich der mit der deutlichsten Unterbesetzung. Ob und wie dieser Unterbesetzung entgegengewirkt wird, ist nicht wirklich einordenbar: zwar existieren zwei Stellenausschreibungen, jedoch ist unbekannt, ob Besetzen dieser Stellen für Abhilfe sorgen würde. Ich werde beim Fachbereich eine entsprechende Anfrage stellen.

Schlussendlich wird ein personelles Aufstocken des Bauamtes aber einen strukturellen Strickfehler nicht ausmerzen können. Bei der Vergabe von kommunalen Aufträgen muss das „wirtschaftlichste“ Angebot berücksichtigt werden, und auch wenn man in der Ausschreibung natürlich viel „drehen“ kann: wir kaufen immer das Billigste.

Auch beim Neubau der Freiheitshalle wurde so vorgegangen und dem Kontrollorgan Stadtrat vorgelegt. Und hier kommt eine pikante neue Ebene ins Spiel: drei Fassadenfachleute aus der Region schrieben ihre Bedenken – insgesamt 13 Punkte – am 5.11.2011 an Bauamt, Bauausschuss und der damals existierenden „Projektgruppe Sanierung mit Teilneubau Freiheitshalle“ (damals besetzt von FAB, CSU, SPD) und erhalten von niemandem Antwort. Auch eine erneute Nachfrage beim damaligen Oberbürgermeister Harald Fichtner am 5.12.2011 blieb bis heute unbeantwortet. Ein beispielloses Ignorieren.

Das Freiheitshallendebakel sollte also nicht für plötzliches – und pressewirksames – Entsetzen sorgen. Es ist vielmehr das Ergebnis von Nachlässigkeiten an vielen Stellen und war mindestens ab Ende 2011 voraussehbar.

Meine Gedanken sind jetzt bei dem armen Mitarbeiter im Bauamt, der gleich am ersten Tag nach seinem Urlaub nachsehen muss, wie der Stand der Freiheitshalle jetzt eigentlich genau ist.


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